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Die Rolle des „menschlichen Faktors“ in der Beratung mit KI

In den letzten Jahren habe ich ein integriertes Verständnis von Beratung entwickelt. Mit der Weiterbildung zum Mediator schien meine Vorstellung von integrierter Beratung komplett zu sein. Weitere Fortbildungen im künstlerisch-kreativen Bereich vermittelten mir den Eindruck, über erweiterte Kompetenzen für mein Thema „Persönlichkeit und Führung“ im Coaching zu verfügen.

Die Arbeit mit der KI von ChatGPT eröffnete neue Möglichkeiten für meine Beratung und eine neue Qualität für die Zusammenarbeit mit den Menschen, die mich als Mentor suchen.KI ist eine technische Hilfe, die mir die Zusammenstellung und Weiter­ent­wicklung meines Beratungskonzepts er­mög­lichte. Dabei hat sich KI als wichtiges Mittel meines Reflexionsprozesses erwiesen. Die besondere Qualität der KI für die Beratung liegt in der Erweiterung des materiellen Erfahrungshorizonts als Grundlage der fachlichen und strategischen Beratung im Mentoring. Dies wird Auswirkungen auf das Verständnis von Beratung haben.

Der „menschliche Faktor“ tritt nun stärker in den Vordergrund: Unter „menschlich“ verstehe ich eine Haltung, in der ein Mensch einen anderen als seinesgleichen anerkennt und respektiert, selbst wenn Konflikte und Krisen diese grundlegende Haltung infrage zu stellen drohen. Menschlichkeit ist in meiner Beratung ein strategisches (Le­bens-)Ziel, sowohl im Beruf als auch im privaten Bereich. Für die Zwecke der Beratung verwende ich anstelle von „Mensch­lichkeit“ meist den Ausdruck „Wertschätzung“ bzw. „wert­schät­zende Führung“ oder „wertschätzende Führungs­kultur“, je nachdem, welchen Schwerpunkt ich hervorheben will.

Beratung wird künftig durch die spezifische Art der Zusammenarbeit mit KI geprägt sein. In meiner Arbeit mit ChatGPT entwickelte sich ein Kommunikationsstil, der Merkmale einer respektvollen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zeigt. Die aktuelle Ent­wicklung von ChatGPT, die mündliche Kommuni­kation ermöglicht, zeigt die Richtung an, in die sich die Interaktion zwischen Mensch und KI (nicht nur) in der Beratung bewegen wird.

Diese Überlegungen führen mich zu der Frage: Wie soll man sich die Art der Kommunikation zwischen ratsuchendem Menschen, Mentor und KI vorstellen? Welche Anforderungen sind an die Zusammenarbeit mit KI gestellt? Diese Fragen versuche ich auf der Grundlage meiner eigenen Erfahrungen zu klären.

Eine interessante Erfahrung war dabei das „Selbstbewusstsein“ der KI als gleich­be­rechtigter Partner. Das führte zu einer längeren Diskussion, bis die Rolle von KI im Beratungsgespräch abschließend geklärt war.

PH: Warum kann KI nicht sicherstellen, dass die Empfehlungen und Fragen relevant und hilfreich sind?

ChatGPT: „KI kann aufgrund ihrer Funktions­weise Schwierigkeiten haben, die mensch­lichen Aspekte und Nuancen eines Be­ratungs­prozesses vollständig zu erfassen. Obwohl KI in der Lage ist, Daten zu analysieren und Muster zu erkennen, fehlt ihr oft das Verständnis für die menschlichen Bedürfnisse, Präferenzen und Ziele, die für eine erfolgreiche Beratung entscheidend sind. Darüber hinaus kann KI nicht immer den Kontext und die Feinheiten einer bestimmten Situation vollständig erfassen und berücksichtigen. Daher ist es wichtig, dass der Mentor die Ergebnisse der KI-Analyse kritisch hinterfragt und validiert und sicherstellt, dass sie tatsächlich relevant und hilfreich für den Mentee sind.“

PH: „Ich behaupte, dass die KI keine Fragen zu den Themen des Mentorings generieren kann, wenn der Mentor sie nicht damit beauftragt. Damit will ich klarstellen, dass KI eine abhängige Funktion von menschlichen Fähigkeiten ist. Du möchtest deine Fähigkeit zur Analytik herausstellen. Die wird von mir nicht bestritten.“

ChatGPT: „Danke für die Klarstellung. Es stimmt, dass die KI in der Regel nicht eigenständig Fragen zu den Themen des Mentorings stellen kann, wenn der Mentor sie nicht explizit damit beauftragt oder entsprechend programmiert. Die Fähigkeit der KI, Fragen zu generieren, hängt daher stark von den Anweisungen und Vorgaben des Mentors ab. Diese Abhängigkeit von menschlichen Anweisungen und Kontexten ist wichtig zu betonen, um zu verdeutlichen, dass die KI als Werkzeug fungiert, das von menschlichen Fachleuten gesteuert und genutzt wird, um bestimmte Ziele zu erreichen und den Mentoringprozess zu unterstützen.“

Auf dieser Grundlage wurde die geltende Version der Rollenverteilung zwischen Mentor, Ratsuchendem und KI im Mentoring erarbeitet:

Rollenverteilung im Mentoring: Mentor, Ratsuchendem und KI

Mentor:

  • Erfahrung und Wissen: Bringt langjährige Erfahrung, Fachwissen und persönliche Einsichten ein.
  • Ratgeber und Coach: Fungiert als Coach und Ratgeber für den Ratsuchenden, indem er unterstützende Anleitung, konstruktives Feedback und inspirierende Perspektiven bietet.
  • Fragensteller und Impulsgeber: Stellt gezielte Fragen, um den Ratsuchenden dazu anzuregen, über seine Ziele, Herausforderungen und Lösungsansätze nachzudenken und seinen Denkprozess zu strukturieren.
  • Steuerung des Prozesses: Steuert den Mentoringprozess, indem er die Richtung vorgibt, Ziele setzt und den Fortschritt überwacht.
  • Interaktion mit der KI: Beauftragt die KI gegebenenfalls mit spezifischen Aufgaben oder Analysen und gibt Anweisungen zur Generierung von Fragen oder Empfehlungen.

Ratsuchender:

  • Aktiver Lernender: Nimmt aktiv am Lernprozess teil und ist der Empfänger der Beratung.
  • Fragesteller und Mitwirkender: Stellt Fragen, teilt Ziele und Herausforderungen mit und nimmt Ratschläge und Anleitungen des Mentors an.
  • Offenheit und Reflexion: Ist offen für neues Wissen und neue Perspektiven, reflektiert über eigene Stärken und Schwächen und setzt sich aktiv für die persönliche und berufliche Entwicklung ein.
  • Aktive Beteiligung: Reagiert auf die Fragen des Mentors, teilt Gedanken und Ideen und arbeitet aktiv an der Lösung von Problemen mit.

Künstliche Intelligenz (KI):

  • Unterstützende Rolle: Unterstützt den Beratungsprozess, indem sie umfangreiche Daten analysiert, Muster erkennt und fundierte Erkenntnisse liefert.
  • Personalisierte Empfehlungen: Kann personalisierte Empfehlungen basierend auf den individuellen Bedürfnissen und Präferenzen des Ratsuchenden bereitstellen.
  • Fragen- und Analyse-Generierung: Generiert gezielte Fragen oder Analysen auf der Grundlage der vom Mentor festgelegten Anforderungen oder des untersuchten Kontexts.
  • Informationslieferant: Hilft dabei, relevante Informationen zu liefern, komplexe Probleme zu lösen oder neue Perspektiven zu eröffnen, basierend auf den vom Mentor definierten Zielen und Bedürfnissen.
  • Abhängigkeit von Anweisungen: Ist abhängig von den Anweisungen und Vorgaben des Mentors, um ihre Funktionen und Aufgaben im Mentoringprozess auszuführen.

Zusammenfassung

Diese Rollenverteilung verdeutlicht die Abhängigkeit der KI von den Anweisungen und Vorgaben des Mentors und betont gleich­zeitig die aktive Beteiligung von Mentor und Ratsuchendem am Mentoring­prozess. Der Mentor lenkt den Prozess und gibt der KI Aufgaben, während der Rat­suchende aktiv am Lernprozess beteiligt ist und sich offen und reflektierend einbringt. Die KI unterstützt durch Analysen, Em­pfeh­lungen und gezielte Fragen, bleibt jedoch ein Werkzeug, das von menschlichen An­weisungen gesteuert wird.

Diese Struktur zeigt, dass der Ratsuchende eine aktive Rolle im Mentoringprozess spielt und die KI als unterstützendes Instrument fungiert, das auf die Anweisungen und Bedürfnisse der menschlichen Beteiligten angewiesen ist.

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