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Subjektive Hindernisse

... einer wertschätzenden Führungskultur

In meiner Praxis als Führungskraft habe ich oft beobachtet, dass die Entwicklung einer wertschätzenden Führungskultur durch ver­schiedene subjektive Hindernisse blockiert wird. Diese Hindernisse sind tief in den Köpfen der Menschen verwurzelt und betreffen sowohl privatwirtschaftlich orien­tierte Führungskräfte als auch diejenigen in der öffentlichen Verwaltung.

Subjektive Hindernisse

  1. Komfortzone: Die Gewohnheit und Routine bieten eine gewisse Sicherheit und Bequemlichkeit. Das Verlassen der Komfortzone erfordert oft mehr Aufwand und birgt das Risiko des Scheiterns.
  2. Fehlende Selbstsicherheit: Ein Mangel an Selbstvertrauen kann dazu führen, dass Menschen zögern, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen selbst zu treffen. Sie könnten Angst vor Fehlern oder der Bewertung durch andere haben.
  3. Abhängigkeit von Führung: In vielen Organisationen gibt es eine lange Geschichte der Abhängigkeit von Führungskräften, die Entscheidungen treffen und die Richtung vorgeben. Einige Mitarbeiter sind daran gewöhnt, dieser Anleitung zu folgen.
  4. Unklarheit über Handlungsspielraum: Manchmal sind die Handlungsspielräume in einer Organisation nicht klar definiert oder die Mitarbeiter sind sich ihrer Möglichkeiten nicht bewusst.
  5. Emotionale Belastungen: Entscheidungen über menschliche Belange sind oft mit emotionalen Belastungen verbunden, die Führungskräfte vermeiden möchten. Dadurch werden potenzielle Handlungsspielräume nicht genutzt.
Kunst in Blau

Bild: Ulrike Springer

Diese Faktoren führen oft dazu, dass Führungs­kräfte sich vor Ent­schei­dungen drücken oder Ver­än­de­run­gen nicht aktiv anstoßen. Statt­des­sen werden Zwänge vorgeschoben, die in dieser Form nicht immer existieren.

Unterschiedliche Führungskulturen

Der Unterschied zwischen privat­wirt­schaft­lich orientierten Führungskräften, für die selbstständiges und verantwortliches Handeln selbstverständlich ist, und Füh­rungs­kräften in der Verwaltung zeigt sich oft in einer problematischen Kommunikation und Zusammenarbeit. Privatwirtschaftliche Führungskräfte sind es gewohnt, Ent­scheidungen selbstständig zu treffen und dabei Verantwortung zu übernehmen. Diese Herangehensweise steht jedoch häufig im Widerspruch zu der hierarchisch struk­tu­rierten Führungskultur in der öffentlichen Verwaltung, wo Entschei­dungs­prozesse oft durch langwierige Abstimmungen und klare Hierarchien geprägt sind.

In der Verwaltung arbeiten Menschen, die sich durchaus eine andere Führungskultur vorstellen können. Einerseits gibt es den Wunsch nach einer wert­schätzenden und koope­rativen Führung. Andererseits scheu­en sich viele davor, in Entscheidungs­situationen persönliche Verantwortung zu übernehmen. Der hohe Anpassungsdruck innerhalb der Verwaltung verstärkt diese Tendenz.

Ein Beamter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge brachte dieses Dilemma treffend auf den Punkt: "Als Mensch würde ich oft gerne anders entscheiden. Aber da gibt es die Vorgaben aus Nürnberg (…) Und wenn die keine andere Politik machen - was kann ich da schon machen?"

(Quelle: Grenzbereiche der Supervision - Verwaltung in Bewegung, Staatlich verwaltete Abwehr, S.148, Göttingen 2015).

Bild: Ulrike Springer

Beispiel einer erfolgreichen wertschätzenden Führung

Trotz dieser Hindernisse gibt es Führungs­kräfte, denen es gelingt, eine wert­schät­zende Führungskultur zu implementieren. Dies erfordert jedoch einen hohen per­sön­lichen Einsatz und ein ausgeprägtes Maß an innerer Stärke.

In meiner über zehnjährigen Begleitung einer Amtsleiterin habe ich beobachten können, dass es ihr gelungen ist, die Mitarbeiter für eine wertschätzende Führungskultur zu gewinnen. Durch ihr Engagement und ihre authentische Führung konnte sie eine Atmosphäre des Respekts und der Anerkennung schaffen. Andere haben sich aufgrund ihrer besonderen Art zu führen, bewusst auf Stellen in ihrem Amt beworben. Ihre Arbeit und ihr Führungsstil wurden allgemein sehr geschätzt.

Diese Amtsleiterin hat gezeigt, dass wert­schät­zende Führung auch unter er­schwerten Rahmenbedingungen möglich ist. Ihr Erfolg basierte auf einer klaren Vision, der Fähigkeit zur Selbstreflexion und der Bereitschaft, sich intensiv mit den Bedürfnissen und Gefühlen ihrer Mitarbeiter auseinanderzusetzen.

Fazit

Eine wertschätzende Führungskultur ist trotz der zahlreichen subjektiven Hinder­nisse möglich. Es erfordert jedoch Mut, Risikobereitschaft und die Fähigkeit, be­stehende Strukturen zu hinterfragen. Führungs­kräfte, die bereit sind, diese Her­aus­forderung anzunehmen, können lang­fristig erfolgreicher und zufriedener sein. Sie schaffen eine tiefere Verbindung zu ihren Mitarbeitern und fördern sowohl deren Wohlbefinden als auch die Effizienz und Innovationskraft der Organisation. Indem sie ihren Handlungsspielraum voll ausschöpfen und sich den emotionalen Heraus­for­derungen stellen, können sie eine Kultur des Respekts und der Wertschätzung etablieren, die für alle Beteiligten von Vorteil ist.

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