Führung wird nach meiner Überzeugung nicht nur von äußeren Faktoren, sondern stark von der inneren Reife und Bewusstheit einer Person beeinflusst. Es ist ein inneres Bild von sich selbst, an dem sich der Mensch auf seinem Lebensweg orientiert.
Die "innere Reife" einer Person bezieht sich auf ihre geistige, emotionale und spirituelle Entwicklung. Es ist ein Zustand, in dem jemand ein tieferes Verständnis von sich selbst, anderen Menschen und der Welt um ihn herum entwickelt hat. Die innere Reife geht oft einher mit einer verbesserten Fähigkeit zur Selbstreflexion, emotionalen Intelligenz, empathischem Verhalten und einem bewussteren Umgang mit den Herausforderungen des Lebens.
Die Vorstellung von innerer Reife ist individuell und subjektiv. Menschen könnten sich die innere Reife als einen Zustand vorstellen, in dem sie in der Lage sind, mit Gelassenheit und Weisheit auf verschiedene Lebenssituationen zu reagieren. Es könnte auch bedeuten, dass sie tiefe Verbindungen zu anderen Menschen aufbauen können und in der Lage sind, aus ihren Erfahrungen zu lernen, um persönliches Wachstum zu fördern. Ich denke, dass innere Reife ein komplexes Selbstbild ist, dass von vielen Menschen im Großen und Ganzen geteilt wird.
Die Orientierung auf dem Weg zur inneren Reife kann durch persönliche Werte, spirituelle Prinzipien, philosophische Überzeugungen oder inspirierende Vorbilder gestärkt werden. Ein Mensch auf seinem Weg zur inneren Reife könnte sich an Idealen orientieren, die für ihn bedeutsam sind, und bestrebt sein, in Einklang mit diesen Prinzipien zu leben. Die persönliche Vorstellung von innerer Reife beruht auf einem fortlaufenden Prozess der Selbsterkundung und persönlichen Entwicklung.
Ein solches Ideal von innerer Reife wird eindrucksvoll im Gedicht von Miyazawa Kenji dargestellt. Seine Worte malen das Bild eines Menschen, der durch Bescheidenheit, Mitgefühl und unerschütterliche Standhaftigkeit inspiriert.
Unbeugsam im Regen
unbeugsam im Wind
unbeugsam im Schnee und in der Sommerhitze
mit einem gesunden Körper
ohne Begierden
und ohne Zorn
nur ein leises Lächeln auf den Lippen
Vier Schalen braunen Reis am Tag
isst er mit Miso und ein wenig Gemüse
beobachtet alles genau
hört gut zu und versteht
indem er von sich selbst absehend
die Dinge stets im Geist behält
Er lebt in einer kleinen, schilfgedeckten Hütte
am Rand einer Wiese hinter dem Kiefernwald
ist im Osten ein Kind krank
geht er hin, um es zu pflegen
beugt sich im Westen eine Mutter müde unter ihrer Last
geht er hin, um ihr Reisbündel zu schultern
liegt einer im Süden im Sterben
geht er hin, um ihm die Furcht zu nehmen
geraten sich zwei im Norden in die Haare
geht er hin, um dem Unsinn eine Ende zu machen
In der Trockenheit vergießt er Tränen
irrt hilflos herum, wenn ein Sommer Kälte bringt
von allen wird er ein Trottel genannt
keiner nimmt ihn ernst
und keinem fällt er zur Last
So ein Mensch
möchte ich sein!