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BildungsZukunft – Vision einer Füh­rung, die Selbst­füh­rung und Mit­ver­ant­wor­tung für das Gemeinwohl för­dert

Einleitung: Neue Perspektiven eröffnen

Ein Wechsel der Perspektive kann neue, bisher ungeahnte Möglichkeiten er­öff­nen. Diese Erfahrung habe ich während meiner fünfjährigen Tätigkeit als Schul­lei­ter einer deutschen Aus­lands­schu­le in São Paulo, Brasilien, gemacht. Im Aus­land erlebte ich die hohe Anerkennung, die deutsche Bildung und Lehrer*innen genießen. Im Gegensatz dazu empfand ich bei meiner Rückkehr im Jahr 2000 die Stimmung in der deutschen Öf­fent­lich­keit, insbesondere nach den PISA-Studien, als bedrückend und un­an­ge­mes­sen.

Stadtansicht São Paulo

Initiative für Vertrauen und Wert­schät­zung

Ab 2001 entwickelte ich im Auftrag der Stadt Darmstadt das Schul­ent­wick­lungs­pro­jekt „Internationale Be­geg­nungsschule“ auf Basis meiner Er­fah­run­gen als Schulleiter im In- und Ausland. Mit dem Slogan „BildungsZukunft – made in Germany!“ wollte ich auf das innovative Potenzial der deutschen Schule aufmerksam machen und zu mehr Selbstbewusstsein sowie Wert­schätzung für die Arbeit von Schulen und Lehrer*innen aufrufen.

Heute verfolge ich diese Ziele weiter als Fachberater und Prozessbegleiter mit meinem Unternehmen „BildungsZu­kunft“. Mein Anliegen bleibt die Entwicklung einer Kultur des Vertrauens und der Wert­schätzung in sozialen Organisationen und Unternehmen.

Vertrauen und Wert­schät­zung als Lebens­haltung

Vertrauen und Wertschätzung sind für mich zwei zentrale Prinzipien, die Men­schen in Organisationen stärken und gesund halten. Diese Haltung steht im Einklang mit Aaron Antonovskys Kon­zept der „Salutogenese“, das einen positiven Gegenentwurf zur de­fi­zi­tori­en­tier­ten Sichtweise der tra­di­tio­nel­len Me­di­zin darstellt.

Beispiele aus der Praxis zeigen, wie diese Prinzipien umgesetzt werden kön­nen. Eine Führungskraft, die Vertrauen fördert, kön­nte etwa regelmäßige, offene Feedback­ge­spräche einführen, bei de­nen die Mit­ar­beiter*innen nicht nur Kritik äußern, sondern auch aktiv Lösungs­vor­schläge ent­wickeln. Wertschätzung kön­nte durch Anerkennung und das Feiern von Erfolgen auf individueller und Team­ebene konkretisiert werden, an­statt sich nur auf Fehler oder Defizite zu fo­kus­sie­ren.

Bedeutung für Füh­rungs­kräf­te: Selbstführung und Mit­ver­antwortung

Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Fähigkeit zur Führung nicht aus­schlie­ß­lich formalen Führungskräften vor­be­halten ist. Selbstführung und Mit­ver­ant­wor­tung setzen voraus, dass alle Menschen in der Lage sind, sich selbst zu führen und Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen. Dies ist unerlässlich in einer demokratischen Ge­sell­schaft, in der jeder Mensch zu Vernunft fähig ist.

Führungskräfte müssen sich regelmäßig prüfen, ob sie ihre Rolle in einer Haltung des Vertrauens und der Wertschätzung wahr­neh­men. Ihre wesentliche Aufgabe besteht darin, die Fähigkeit zur Selbst­führung und aktiven Mitverantwortung bei anderen zu fördern.

Ein konkretes Beispiel hierfür könnte sein, dass Führungskräfte Mentoring-Pro­gramme initiieren, in denen erfahrene Mit­ar­bei­terinnen neue Kolleginnen be­glei­ten und unterstützen, um deren Ei­gen­ver­ant­wortung und Initiative zu stärken.

Sonnenuntergang

Vision ohne
konkretes Ziel?

Es ist menschlich, die Realität an Idealen zu messen, was oft zu einem Gefühl des Defizits führt. Eine solche de­fi­zi­tori­en­tier­te Lebens­haltung kann unser Wohl­be­finden und unsere Gesundheit be­ein­träch­ti­gen. Ver­trauen und Wert­schät­zung hingegen er­mög­lichen es uns, un­serem Leben eine positive Bedeutung zu geben. Diese Haltung ist eine dauernde Aufgabe, die immer wieder auf die Probe gestellt wird.

Enttäuschungen entstehen oft aus un­er­füllten Erwartungen, die sich an Ideal­vor­stellungen orientieren. Vertrauen und Wert­schätzung beruhen daher auf einer spirituellen Haltung, die es uns er­mög­licht, Enttäuschungen als Prüfungen zu ver­stehen, die unsere liebende Haltung zu uns selbst und anderen bestärken.

Die Vision einer Führungs­kraft

Meine These lautet: Eine Vision zu haben bedeutet für eine Führungskraft, eine Zielvorstellung zu initiieren, zu teilen, zu vergemeinschaften und schlie­ß­lich los­zu­lassen. Dieser Prozess spie­gelt die per­sönliche Entwicklung wider, die Führungs­kräfte durchlaufen, wenn sie Verantwortung übernehmen. Diese Haltung prägt das gesamte Leben, nicht nur die berufliche Phase.

Eine starke Vision entspringt den inneren Wünschen nach einem sinnvollen Leben. Damit eine Vision sozial verbindend wir­ken kann, muss sie von den Menschen als ihre eigene erkannt und im Alltag aktiv gelebt werden. Das Gefühl, eine sinn­volle Tätigkeit auszuüben, im Einklang mit sozialen und spirituellen Bedürfnissen, ist entscheidend.

Ein Beispiel für das Loslassen einer Vision könnte sein, dass eine Füh­rungs­kraft, nachdem sie ein Projekt er­folg­reich auf den Weg gebracht hat, anderen Teammitgliedern die Verantwortung für die weitere Um­set­zung übergibt, um deren Eigen­ver­ant­wortung zu stärken.

Die Rolle der
visionären Füh­rungs­kraft

Ist es genug, eine visionäre Führungs­kraft zu sein? Eine visionäre Führungs­kraft zeichnet sich dadurch aus, dass sie Menschen inspiriert und ihnen er­mög­licht, ihre eigene Führungskraft zu er­ken­nen und zu entwickeln. Nur durch aktives Gestalten und das Gefühl der Mitverantwortung für eine Gemeinschaft können Menschen ein starkes Kohärenz­gefühl entwickeln, das ihre innere Kraft stärkt und ihre Gesundheit fördert.

Fazit: Führung in der
demokra­tischen
Ge­sell­schaft

Mein Verständnis von Führung stellt die Selbstführung und Mitverantwortung des Einzelnen in den Vordergrund. Das bedeutet, dass ich mich in meiner Rolle als Führungskraft zunehmend zurück­nehme, um anderen Raum für ihre ei­gene Entwicklung zu geben.

Der Bedarf an bewusster Füh­rung

Die Rolle von Führungskräften wird auch in Zukunft nicht obsolet sein. Im Gegen­teil: Wir benötigen mehr denn je Füh­rungs­kräfte, die sich ihrer Verantwortung für die Entwicklung und Verbreitung von Selbstführung und Mitverantwortung be­wusst sind.

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