Ein promovierter Physiker, dem ich die Arbeit zeigte, fand die Argumentation zunächst schlüssig – bis ihm bewusst wurde, dass die Analyse auch auf die Arbeit seines Vaters, eines Richters, zutreffen müsste. „Nein, das glaube ich nicht!“ meinte er plötzlich und lehnte das Ergebnis ab. Obwohl die Analyse logisch fundiert war, wehrte er sich gegen das Ergebnis, weil es ihm als Sohn emotional zu nah kam. Ähnlich fühlen sich oft Menschen, die vor Gericht stehen und mit der objektiven Rechtsanwendung konfrontiert sind. In dieser emotionalen Betroffenheit zeigt sich die Macht der Institution: Ihre Neutralität und Distanz lassen wenig Raum für persönliche Perspektiven.
Die Macht dieses objektiven Denkens bleibt uns oft verborgen. Doch was verändert sich, wenn wir uns dessen bewusst werden? Wer in einer hierarchischen Position Macht ausübt, wird durch dieses Bewusstsein gezwungen, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen – eine Aufgabe, die nicht ohne Risiko ist. Wer sich verantwortlich für sein Tun fühlt, sieht sich plötzlich ohne den Schutz des „objektiven“ Denkens. Damit umzugehen, ist eine Herausforderung, auf die viele von uns kaum vorbereitet sind.